PROGNOSEN

WIE KANN DIE ZUKUNFT VON JENA AUSSEHEN?

Seit der Jahrtausendwende gewinnt Jena jährlich neue Einwohner. Im Wesentlichen ist dieses Wachstum auf eine steigende Anzahl an Menschen mit Migrationshintergrund zurückzuführen – ein Prozess, der aktuell in den meisten Großstädten Deutschlands zu beobachten ist. In Jena liegt dies jedoch nicht nur am Zuzug von Geflüchteten, sondern auch an der steigenden Bedeutung Jenas für ausländische Mitbürger als Arbeits- und Ausbildungsort. So stellt sich die Frage, ob das Wachstum zukünftig in gleicher Weise weitergehen wird.

Um dies zu beantworten, wurde für die Stadt Jena eine neue Bevölkerungsprognose berechnet. Grundlage dafür war eine detaillierte Analyse vergangener Prozesse, aus der fundierte Annahmen zur zukünftigen Entwicklung abgeleitet werden konnten. Wesentlicher Aspekt war es dabei, den Sondereffekt des Zuzugs Geflüchteter zu bestimmen. Im Ergebnis wird Jena bis 2035 weiter wachsen, wenn auch weniger stark als in den letzten Jahren: Obwohl angenommen wird, dass die Bevölkerungszahl aufgrund von Wanderungsgewinnen zunimmt, wird das Wachstum schon bald durch kontinuierlich steigende Sterbeüberschüsse gedämpft. Die Ursache dafür liegt in einer alternden Gesellschaft – ein Trend, der auch vor Jena Halt nicht haltmacht. In diesem sogenannten Real Case steigt die Einwohnerzahl Jenas bis 2035 auf rd. 110.300 Einwohner an.

Bevölkerungsprognosen sollten allerdings nicht als Prophezeiungen oder gar als unabwendbares Schicksal missverstanden werden. Vielmehr sind sie das rechnerische Ergebnis von Annahmesetzungen. Dass die tatsächliche Entwicklung von der prognostizierten abweicht, kann durchaus auch zu einem politischen Ziel werden.

Um eine realistische Vorstellung von einer Entwicklung zu erhalten, die positiver als der Real Case verläuft, wurde für Jena ein wirtschaftlicher Aufschwung rechnerisch simuliert. Dafür wurde eine Reihe von Sensitivitätsprüfungen durchgeführt, um mögliche Auswirkungen zu überprüfen. So werden für einen solchen Aufschwung zunächst neue Fachkräfte benötigt, die allerdings erst dann zuziehen, wenn auch entsprechender Wohnraum zur Verfügung steht. Aus diesem Grund floss in die Berechnung des sogenannten Best Case die Bebauung aller verbleibenden Wohnbauflächenpotenziale bis 2035 ein. Sollten diese Voraussetzungen eintreten, könnte die Einwohnerzahl Jenas bis 2035 auf rd. 116.800 Einwohner ansteigen.

Umgekehrt wurden auch die Auswirkungen einzelner Risiko-Faktoren geprüft wie zum Beispiel ein Abklingen des wirtschaftlichen Aufschwungs oder einem verstärkten Fortzug von Schutzsuchenden. Für solche Entwicklungen wurde deshalb ein Worst Case beschrieben. Dieser Berechnung nach würde die Einwohnerzahl bis 2035 auf rd. 103.400 Personen sinken.

Mit der neuen Bevölkerungsprognose konnten also die zu erwartenden demographischen Entwicklungen ebenso beschrieben werden, wie die Auswirkungen möglichen Chancen und Risiken. Darauf kann die Kommunalpolitik reagieren und durchaus Einfluss nehmen. Zentrale Weichenstellungen werden die Entwicklung von Wohnbauflächen, die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen sowie die Integration und Bindung potenzieller Fachkräfte sein. Link: Möchten Sie mehr zu demographischen Prozessen und Prognosen erfahren?

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